Zentrum für Soziokybernetische Studien Bonn
Zentrum für Soziokybernetische Studien Bonn
Das Zentrum für Soziokybernetische Studien Bonn wurde 2008 als
Ausgründung aus dem
Fraunhofer Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme
(IAIS) gegründet. Es wird getragen vom Verein "Wissenskulturen e.V.". Der
Fokus der Forschungsarbeiten richtet sich auf die Anwendung
systemischen Denkens und kybernetischer Prinzipien in der Analyse und
den Umgang mit sozialen Phänomenen hinsichtlich ihrer
Komplexität und Dynamik. Die folgenden Aspekte können
als charakteristisch für einen soziokybernetischen Ansatz
hervorgehoben werden:
- Systeme: Das Interesse der Forschung richtete sich
auf den Umgang mit Komplexität. Als systemische Sichtweise
gilt eine Beobachtung, die die Vielfalt der Wechselbeziehungen
der Realität aufzuspüren versucht anstatt einzelne
Kausalbeziehungen analytisch zu isolieren in ihrer ganzen
Tiefe zu verfolgen. Systeme definieren sich durch eine
bestimmte Form der Unterscheidung von ihrer Umwelt.
- Prozessualität: Der Kybernetik geht es »nicht um
Gegenstände, sondern um ihr Verhalten. »Sie fragt nicht 'Was
ist ein Ding', sondern 'Was tut es?'« (Ashby 1956). Nicht die
Beschaffenheit, die Eigenschaft, die Materialität von Objekten
steht im Zentrum des Interesses, sondern ihre
Operationsformen.
- Wechselwirkung: Nicht Kausalität sondern
wechselseitiges Einwirken dynamischer selbstregulierender
Systeme steht im Mittelpunkt des Interesses. Mit einem
kybernetischen Ansatz entscheidet man sich für die
Untersuchung der grundlegenden Formen, aus denen sich die
innere Ordnung eines Systems ergibt anstatt für die
Betrachtung einzelner Eigenschaften.
- Selbstbezüglichkeit: Für Heinz von Foerster ist
dies das fundamentale Prinzip kybernetischen Denkens. Er
spricht von »Zirkularität« und meint damit alle Konzepte, die
auf sich selbst angewandt werden können, Prozesse, in denen
letztendlich ein Zustand sich selbst reproduziert (v. Foerster
1993, S. 73). Luhmann übernimmt dieses Konzept unter dem
Stichwort »Selbstreferenzialität«.
- Information: Systemprozesse, insbesondere die
Beziehung zwischen System und Umwelt werden als
»informationelle Prozesse« verstanden, in denen Kontingenzen
existieren und Selektionen stattfinden, anstatt
Notwendigkeiten im Sinne einer strengen
Kausalität. Information wird oft als Funktion der Organisation
von Systemen bezeichnet. Einige Naturwissenschaftler sehen in
der Information einen »dritten Faktor« neben Materie und
Bewußtsein (Weizsäcker 1974) oder Materie und Energie (Stonier
1990).
- Regelung: in Bezug auf auf soziale Phänomene geht
bei der Steuerung von Systemen mit selbstorganisierenden
(dissipativen) Strukturen. Diese Systeme reagieren auf
Steuerungsversuche aus ihrer Umwelt nur auf der Grundlage
ihrer internen Struktur. Steuerung muss sich somit mit dem
Phänomen der Strukturdeterminiertheit der Systeme
auseiandersetzen.
Die Arbeiten des Zentrums finden statt im Kontext der Zusammenarbeit
mit folgenden Institutionen:
Fraunhofer Institut für Intelligente Analyse-
und Informationssysteme (IAIS),
Sankt Augustin,Germany
Research Committee 51
on Sociocybernetics
of the International Sociological Association (ISA)
AGENDA Team Research + Consult GmbH,
Bonn, Germany
Laboratorio de
Investigación y Desarrollo en Comunicación Compleja
(labCOMplex), Centro de Investigación Interdisciplinarias en Ciencias
y Humanidades, Universidad Nacional Autónoma de México,
Ciudad de México, México
International Federation for Systems Research
ISSC-International Social
Science Council of the UNESCO
Universidad Zaragoza,
Grupo de Estudios Sociales y
Económicos del Tercer Sector, Zaragoza, España